Jahrhundertnachricht für Oberfranken und Franken: Erstmals seit 177 Jahren steigende Brauereizahlen

Positive Brauereizahlen, Wechsel im Vorstand, Auszeichnung von Christof Pilarzyk als Ehrenbraumeister h.c.: Gleich drei Bierköniginnen begleiteten die Mitgliederversammlung von Bierland Oberfranken am 16. Januar in Rödental. Im Bild v.l. Sabine Sabine-Anna-Ullrich, Bayerische Bierkönigin 2016/2017, Landrat Klaus- Peter Söllner, Christof Pilarzyk, Dr. Bernd Sauer, Gisela Hansen, Tina Christina Rüger, die Bayerische Bierkönigin 2014 / 2015 und die amtierende oberfränkische Bierkönigin Christina Pollnick. Foto: Matthias Rotter

Positive Brauereizahlen, Wechsel im Vorstand, Auszeichnung von Christof Pilarzyk als Ehrenbraumeister h.c.: Gleich drei Bierköniginnen begleiteten die Mitgliederversammlung von Bierland Oberfranken am 16. Januar in Rödental. Im Bild v.l. Sabine Sabine-Anna-Ullrich, Bayerische Bierkönigin 2016/2017, Landrat Klaus- Peter Söllner, Christof Pilarzyk, Dr. Bernd Sauer, Gisela Hansen, Tina Christina Rüger, die Bayerische Bierkönigin 2014 / 2015 und die amtierende oberfränkische Bierkönigin Christina Pollnick. Foto: Matthias Rotter

Der mit dem unschönen Begriff Brauereisterben umschriebene langjährige Rückgang der Brauereien in Oberfranken und Franken ist gestoppt. Erstmals seit über 150 Jahren nehmen die Brauereizahlen in Oberfranken und Franken zu. Diese “Jahrhundertnachricht für Oberfranken und Franken” konnte der Kulmbacher Landrat Klaus-Peter Söllner, 1. Vorsitzender des Verein Bierland Oberfranken, auf der Mitgliederversammlung des Vereins Bierland Oberfranken am 17. Januar vermelden.

Seit 1840 sind die Brauereizahlen in Oberfranken rückläufig. Jetzt, genau seit dem Jahr 2015, ist die Zahl der aktiven Brauereien in Oberfranken von 149 auf nun 172 Brauereien zum ersten Mal angestiegen, das ist eine sensationelle Zunahme von 18,1 %, so Söllner. Und das Schöne daran: dieser Trend gilt auch für die Schwester von Bierland Oberfranken, die Fränkische Bierstraße. Auch in Franken hat die Zahl der Brauereien erstmals wieder zugenommen. Seit dem Jahr 2015 sind in Franken, bzw. der Fränkischen Bierstraße 47 neue Brauereien dazugekommen, aktuell gibt es damit 304 aktive Brauereien in Franken. Das freut uns, das freut aber den Verbraucher, so Söllner weiter. Die Biervielfalt Oberfrankens ist weltweit einmalig, aktuell werden alleine in Oberfranken mehr als 1500 verschiedene Biere gebraut.

Recherchiert haben die Zahlen Markus Raupach und Bastian Böttner von der Agentur guidemedia Bamberg, die nicht nur Mitglied im Vorstand des Vereins Bierland Oberfranken sind, sondern auch seit über 10 Jahren die Internetseiten von Bierland Oberfranken, seit einem Jahr auch der Fränkischen Bierstraße, aktuell halten und erst vor kurzem den Brauereiführer Franken neu aufgelegt haben, daher stammen auch die aktuellen Zahlen.

Sicherlich auch bedingt durch die Craft-beer-Welle, hat handwerkliches Bier wieder ein positives Image beim Verbraucher bekommen, auch was die Preise betrifft. Die oberfränkische Brauereikultur, auch die Biergartenkultur, trifft des Lebensgefühl der Menschen, der Einheimischen, aber auch der Urlauber und Ausflügler, begründet Christof Pilarzyk, geschäftsführend er Vorstand von Bierland Oberfranken, diesen Trend.

Oberfränkische Bier ist wieder in, auch bei jungen Menschen. Und das gilt für das Bier trinken genauso wie das Bier brauen, so Markus Raupach, der die Zahlen und Hintergründe dazu vorstellte. Junge Menschen finden es cool Bier zu brauen und sind auch wieder bereit, die Brauerei von ihren Eltern zu übernehmen oder eine eigene Brauerei, oft mit Wirtshaus, zu gründen. Eine ganze Generation neuer, junger Braumeister schickt sich an, die oberfränkische Bierkultur nicht nur zu bewahren, sondern sie weiterentwickeln und in die Zukunft zu bringen. Das ist wohl die beste Nachricht für das Bierland Oberfranken und die Fränkische Bierstraße.

Hintergrundinformation

Die Historie der Entwicklung der Brauereien in Oberfranken hat Prof. Dr. Erhard Treude, Lehrstuhl für Wirtschaftsgeographie an der Universität Bamberg im Jahr 1985 in einem Aufsatz “Entwicklung und Struktur des oberfränkischen Brauwesens” veröffentlicht. Bis zum Jahr 1840 und zuletzt begünstigt durch die Aufhebung der Bierverlagsrechts im Jahr 1805 hatte die Zahl der Brauereien in Oberfranken kontinuierlich zugenommen. Die Wende kam mit dem Jahr 1840, seitdem hat die Zahl der Brauereien bis heute kontinuierlich abgenommen. Im Jahr 1840 gab es 1100 Brauereien, 1871 waren es 900, im Jahr 1970 noch 400 und im Jahr 2000 gab es in Oberfranken 200 Brauereien. Ursachen für diesen ständigen Rückgang gab es in den letzten knapp 180 Jahren viele. Die Industrialisierung. Die Aufhebung der innerdeutschen Zollschranken. Die Eisenbahn. Neue Kühltechnik. Neue Heiztechnik. Die zunehmende Mechanisierung und der damit verbundene wesentlich höhere Kapitaleinsatz. Die Einführung der Bierflasche in den 50er Jahren oder die Einführung der Getränkemärkte, um nur einige zu nennen. Aber jetzt ist der Trend gestoppt.

Aktive Brauereien OberfrankenAktive Brauereien Franken:
JahrZahl BrauereienJahrZahl Brauereien
184011001990380
18719001996330
19674302010262
19704032013258
19733552015257
19763182017304
1979290
1982268
1990213
2002202
2010159
2013153
2015149
2017173

Quellen: Zahlen 1840 – 1982: Prof. Dr. Erhard Treude
Zahlen ab 1990: Markus Raupach, Bastian Böttner


Bierland Oberfranken und Fränkische Bierstraße: Weltmeister und jahrhundertealte Braukultur

Das Zentrum der Brauereikultur Deutschlands liegt in Bayern, genauer in Oberfranken: der kleine Regierungsbezirk im Nordbayern ist Weltrekordhalter, was Brauereikultur und Brauereivielfalt betrifft. Mit 173 Brauereien auf 1,1 Millionen Einwohner hat Oberfranken mit großem Abstand die höchste Brauereidichte der Welt, auf eine Brauerei kommen in Oberfranken 6358 Einwohner. Mit diesem Weltrekord verbunden ist eine Biervielfalt und Brauereikultur, die ihresgleichen sucht.

Damit dies mehr bekannt wird, wurde im Jahr 2004 der Verein Bierland Oberfranken gegründet, ein Zusammenschluss aller Brauereien in Oberfranken. Ziel des Vereins ist es, die Brauereivielfalt und die Bierkultur in Oberfranken zu fördern und für Einheimische, Ausflügler und Touristen erlebbar zu machen. Der Verein Bierland Oberfranken betreut das Internetportal www.bierland-oberfranken.de und hat dafür gesorgt, dass an allen Autobahneinfahrten nach Oberfranken touristische Hinweisschilder mit dem Text “Genussregion Oberfranken – Land der Brauereien” stehen und auf das oberfränkische Alleinstellungsmerkmal Bierkultur verweisen.

Vor kurzem hat der Verein Bierland Oberfranken unter der Internetadresse www.bierstrasse-franken.de eine alte Bekannte aus dem Dornröschenschlaf geweckt, die in den 70er und 80er Jahren sehr beliebt war. In die neue Fränkische Bierstraße Bierstraße sind alle 304 fränkischen Brauereien und die schönsten 600 Biergärten Frankens eingebunden, sie umfasst jetzt 2500 Kilometer Landstraße.

Weitere Infos gibt die Geschäftsstelle von Bierland Oberfranken in der Handwerkskammer, Tel. 0921 / 910 – 139, info@bierland-oberfranken.de.

Beispiele für junge Brauereien in Franken seit 2009

OberfrankenMittelfrankenUnterfranken
Brauhaus Budenschuster (Bad Steben) – 2016Brauhaus Brandmeier (Cadolzburg) – 2013Albertshöfer Sternbräu (Albertshofen) – 2010
Kronprinz (Bamberg) – 2016Lahmabräu (Langenzenn) – 2012Brauhaus Bergmann (Glattbach) – 2009
Glenk Bräu (Bayreuth) – wiederbelebtEppelein & Friends (Nürnberg) – 2015Goiklbräu (Lohr am Main) – 2013
Brauhaus Binkert (Breitengüßbach) – 2012orca brau (Nürnberg) – 2017Pfarrbräu (Stadelhofen) – 2010
Brauhaus zu Coburg (Coburg) – 2015Honig Bräu (Nürnberg) – 2016Waldschatz- Bräu (Hausen bei Würzburg) – 2016
Red Castle Brew (Gräfenberg) – 2012bierwerk kreativbrauerei (Nürnberg) – 2016
(Brauerei Rittmayer (Hallerndorf) – 2013/14 neu gebaut)1.Altenberger Brauhaus (Oberasbach) – 2015
Antlabräu (Kronach) – 2009Hechtbräu (Zimmern) – 2011
Gasthausbrauerei zum Gründla (Kulmbach) – 2015
Braumanufaktur Lippert (Lichtenfels) – 2012
Rosenauer Hofbräu (Marktgraitz) – 2015
Brauerei Hopfenhäusla (Münchberg) – 2015
Drossenfelder Bräuwerck (Neudrossenfeld) – 2014
Kommunbräu Rehau e. V. (Rehau) – 2011
Gänstaller Bräu (Schnaid) – 2011
Frankonianer – Gasthausbrauerei – Café Hein (Schwarzenbach) – 2013
Braumanufaktur Hertl (Thüngfeld) – 2012

Gisela Hansen als geschäftsführender Vorstand des Vereins Bierland Oberfranken / Fränkische Bierstraße gewählt

Die Verantwortung in jüngere Hände legen, so hat es Christof Pilarzyk vom Brauereigasthof Grosch formuliert: Braumeisterin Gisela Hansen von der Meinel- Bräu Hof ist der neue geschäftsführende Vorstand des Vereins Bierland Oberfranken / Fränkische Bierstraße, einem Zusammenschluss aller Brauereien Frankens.

Ihr Vorgänger Christof Pilarzyk hatte diese Position seit Vereinsgründung am 8. Dezember 2014 ausgefüllt, so der Kulmbacher Landrat Klaus- Peter Söllner, 1. Vorsitzender des Vereins. Und maßgeblich dazu beigetragen, dass sich der Verein so positiv entwickelt hat. Mit seiner Professionalität, seiner Leidenschaft und seiner Fähigkeit, Menschen zusammenzubringen und zur Zusammenarbeit zu bewegen. Für diese Leistung, die bis in die Anfänge von Bierland Oberfranken im Jahr 2002 zurückgeht, wurde Christof Pilarzyk vom Verein zum Ehrenbraumeister h.c. ausgezeichnet.

Christof Pilarzyk, der weiter Mitglied im Vorstand von Bierland Oberfranken bleibt, fiel dieser Schritt nicht leicht. “Aber er ist nötig”, so Pilarzyk. “Gisela Hansen steht für die neue, junge Generation von Braumeisterinnen und Braumeisterinnen, die zur Zeit die Brauereien von ihren Eltern übernehmen oder selbst eine eigene Brauerei gegründet haben. Diese neue Braumeister-Generation schickt sich an, die oberfränkische Bierkultur nicht nur zu bewahren, sondern sie weiterzuentwickeln und in die Zukunft zu bringen”.

Die Wahl von Gisela Hansen auf der Mitgliederversammlung war einstimmig ausgefallen. Braumeisterin Gisela Hansen ist 30 Jahre alt. Sie leitet zusammen mit Ihrer Schwester Monika und ihrer Mutter Gisela Meinel-Hansen die Meinel-Bräu in Hof. Gisela Hansen hat nach ihrer Ausbildung zum Brauer und Mälzer den Studiengang des Brau- und Malzmeisters (HWK) äußerst erfolgreich an der Doemens Akademie im Jahr 2011 absolviert. Im Anschluss daran nahm sie noch an der Weiterbildung zum Biersommelier teil und absolvierte zudem den Getränke-Betriebswirt. Gisela Hansen ist außerdem seit letztem Jahr Präsidentin des Bundes der Doemensianer.

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